Die Religion ist Überlieferung!
Imam al-Albānī (رحمه الله) sagte:„Die Religion ist Überlieferung (naql), nicht Verstand (ʿaql). Die Aufgabe des Verstandes ist es, die Religion zu verstehen, nicht, in der Religion Gesetze zu erlassen (tashrīʿ)."
Quelle: Silsilat al-Hudā wa n-Nūr, Nr. 246
Kommentar:
Diese Aussage fasst einen Grundpfeiler des Manhaj der Salaf zusammen: Die Quelle des Dīn ist die Offenbarung : Qurʾān und authentische Sunna nach dem Verständnis der frommen Vorgänger. Der Verstand ist kein Gesetzgeber, sondern ein Werkzeug, um das Offenbarte zu erfassen und anzuwenden.
Zwei Fehler grenzt al-Albānī -رحمه الله- damit ab:
Erstens den Fehler derer, die den Verstand über den Text stellen (taqdīm al-ʿaql ʿalā n-naql) - der Weg der Mutakallimūn. Shaykh al-Islām Ibn Taymiyya رحمه الله hat dem sein Werk Darʾ Taʿārud al-ʿAql wa n-Naql gewidmet und darin dargelegt, dass ein klarer, unverdorbener Verstand niemals einem authentischen Text wirklich widerspricht.
Zweitens den Fehler, sich selbst zum Gesetzgeber zu machen. Das Recht, Ḥalāl und Ḥarām festzulegen, gehört allein ALLĀH ﷻ - das ist Teil des Tawḥīd:„Das Urteil (ḥukm) steht allein ALLĀH zu." (Sūra Yūsuf 12:40)
„Oder haben sie etwa Teilhaber, die ihnen etwas von der Religion gesetzlich verordnet haben, was ALLĀH nicht erlaubt hat?" (Sūra ash-Shūrā 42:21)
Der Verstand hat also einen hohen Rang, aber einen dienenden: verstehen, ableiten (im Rahmen der Uṣūl), anwenden. Sobald er anfängt, aus sich heraus Religion zu „erfinden", verlässt er seine Grenze und tritt in ein Recht ein, das ALLĀH ﷻ allein vorbehalten ist.
